TANZ IN BEZIEHUNG ZU NATUR – MENSCH – KULTUR

Gärtnern und Tanzen mit Weltkindern im Willkommensgarten



Es gibt engagierte Menschen, die kreative  Begegnungsformen schaffen, um auf den rasanten gesellschaftlichen Wandel mit großen Einwanderungszahlen zu reagieren und für die Integration von Weltkindern sorgen. Ein Projekt stelle ich hier vor, das Weltkindern, also Kindern mit Flüchtlingsbiografie, Raum für gemeinsames Lernen und gemeinsame Entwicklung innerhalb einer neuen Kultur bietet. Dies betrachte ich  als Voraussetzung für  gelungene Inklusion.

 

Auf dem Gelände der Göttinger Flüchtlingsunterkunft Bonveno auf den Zietenterassen wurde in der Gartensaison 2016 ein Willkommensgarten für Kinder mit Flüchtlingsbiografie angelegt und den gesamten Sommer über gemeinsam mit ihnen bearbeitet. Der Willkommensgarten 2016 war ein Projekt der Internationalen Gärten Göttingen und wurde gefördert vom Deutschen Kinderhilfswerk und der Stiftung Ertomis.

 

Einmal in der Woche kamen drei, manchmal auch vier Pädagoginnen und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen auf die Zietenterassen, legten mit den Kindern den Garten an und bewirtschafteten ihn gemeinsam. Begonnen wurde mit einem großen Haufen Kompost. Die Beete entstanden dort, wo die Kinder anfingen, zu buddeln. Gepflanzt wurden Mais, Kohlrabi, Kartoffeln, Zwiebeln, Salat, Radieschen und anderes mehr. Mit Stangen wurde ein Tipi gebaut, um Bohnen ranken zu lassen, und auf einem Hochbeet ließen sie Kürbisse wachsen.

 

Der Abschluss eines solchen Gartennachmittags war jeweils ein gemeinsames Essen: heiße Pellkartoffen mit Quark, zum Teil mit Kräutern aus dem Garten. Wichtig war auch das gemeinsame Abschiedslied, mit dem sich alle voneinander verabschiedeten.

 

Am Ende der Saison wurde ich zum Anleiten von Tänzen eingeladen, um den Kindern eine Freude und Belohnung zum Abschluss der Gartenarbeit zu bereiten.

 

Da Kinder und Mitarbeiterinnen bereits eine vertrauensvolle Beziehung aufgebaut hatten, viele der Kinder im Kindergarten oder in der Schule auch schon etwas Deutsch gelernt hatten, gestaltete sich das gemeinsame Tun spielerisch und leicht. Es gab keine Berührungsängste und ich konnte schnell Zugang zu den Kindern finden.

 

Ich wählte Tänze aus, die mit den Elementen in Zusammenhang standen, mit denen die Kinder die Saison über gearbeitet hatten: Erde-Feuer-Wasser-Luft, ein Sonnentanz, ein Tiertanz mit Gebärde und Gesang. Die Kinder liebten das Ein- und Ausspiralen, als Schnecke oder Schlange und einfache Toretänze. Da viele der Kinder noch im Kindergartenalter waren, habe ich Choreografien vereinfacht und Raum gegeben für freien Bewegungsausdruck. Wir integrierten Klatschen, Stampfen, und sangen einen einfachen Text mit. Beim Tanzen eines Lebensbaumschrittes gesellten sich auch Eltern zu uns, denen das Tanzen im Kreis und solche alten Tanzmuster aus ihrer Kultur vertraut waren.

 

Zum Tanz „King oft the Fairies“, mit dem die Elemente getanzt werden, ließ ich die Kinder Steine, Federn, Muscheln, ein Sonnensymbol und weitere Gegenstände den Elementen zuordnen. Sie konnten die Gegenstände anfassen, benennen und darüber etwas erzählen. Begeistert waren die Kinder, wenn sie Tänze oder Musik von dem vorherigen Mal wiedererkannten. Einer der Höhepunkte war das Spiel mit einem großen Schwungtuch, mit dem Wind und Wellen nachgeahmt wurden, und unter dem man sich verstecken konnte.

 

In diesem, aus meiner Sicht sehr erfolgreichen Projekt, gelang es den Mitarbeiterinnen, den Kindern in einem sicheren Rahmen vielfältige soziale und intellektuelle Anregungen zu bieten. Sie schafften es, vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen. Geborgenheit und Vertrauen sind Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen und gesunde Entwicklung. Es entstand ein natürlicher, lebendiger Raum zum Erforschen, Entdecken und Gestalten: Anbauen, Säen, Pflanzen, Pflegen, Ernten, Nahrung zubereiten und Essen.  Neues auszuprobieren, neue Erfahrungen zu machen und das gemeinsam zu tun förderte ebenso die Kommunikation. Die Kinder erfuhren gegenseitige Wertschätzung und Unterstützung, was sie wiederum ihre Selbstwirksamkeit erfahren ließ. Am Ende des Projektes war der Tanz ein zusätzliches Medium zu sinnhafter, kreativer Begegnung.

 

So hat dieses Projekt seinen Zweck mehr als erfüllt und zudem allen Beteiligten viel Spaß gemacht. Ein neues Willkommensgartenprojekt von den Internationalen Gärten Göttingen in diesem Jahr ist in Planung.

 

Mich hat beeindruckt, dass Kinder aller Altersstufen, vom Kindergartenalter bis in die Pubertät, mit Begeisterung mitgemacht haben. Meine schönsten Erinnerungen an das Tanzen sind das befreite unbekümmerte Lachen und die strahlenden Blicke aus Kinderaugen.



© Uta Böttcher, Göttingen 2017

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